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Lausitzer Startup bringt die Stoffwindel zurück

09.11.2019

Der VEB Baby-Chick Finsterwalde belieferte Kindergartengenerationen mit waschbaren DDR Win­delhosen. Doch, was ist eigentlich die „gängige Art“ zu wickeln? Diese Frage hat man sich bis zu Wende in der DDR gar nicht gestellt. Bis 1989 und auch in den ersten Nachwendejahren wurde ganz normal mit Windeltüchern aus Baumwolle und Überhosen aus Plastik gewickelt. Daran wer­den sich noch viele erinnern. VEB Baby-Chick Finsterwalde belieferte die ganze Republik mit die­sen Überhöschen. Wegwerfwindeln waren kein Thema.

 

Mit Foxy Baby, kehrt nun die Stoffwindel zurück, ausgerechnet in die Sängerstadtregion. Die bei­den Lausitzerinnen Karla Fornoville und Alexandra Logemann gründeten im Frühjahr 2016 ihr klei­nes Startup, die Foxies Family GmbH. Seit Sommer 2017 sind sie mit ihrem eigenen Onlineshop auf dem Markt und ver­treiben dort die selbst entworfenen und in der Lausitz handgefertigten Artikel unter dem Namen „Foxy Baby“. „Mein kleiner Bruder ist im August 1989, also kurz vor dem Maue­rfall, geboren“, berichtet Karla Fornoville, Geschäftsführerin des noch jungen Unternehmens. „Zum Zeitpunkt der Unternehmensgründung wusste ich gar nicht, dass die DDR Überhöschen in Finsterwalde gefertigt wurden. Ich kann mich aber noch sehr gut an die Baumwollwindeln und die Plastik-Überhosen erinnern. Als damals 15-Jährige durfte ich beim Wickeln schon mal mit­helfen.“ Umso schöner ist dieser örtliche Zufall, denn Karla Fornoville ist eine Lau­sitzer Rückkeh­rerin. Als gebürtige Oberlausitzerin hat sie in Tröbitz ihre neue Heimat gefunden. Mit der Un­ternehmensgründung in der Sängerstadtregion kehrt nun auch die Stoffwindeln zurück. 

 

Die Renaissance der Stoffwindel findet auch in der Lausitz statt, findet Mitgründerin Alexandra Lo­gemann. Aus dem kleinen Ort Lausitz stammend, hat sie die Nachwendejahre in Niedersachsen ver­bracht und in Sa­chen Babywindeln ganz andere Erfahrungen gemacht. „Bemerkenswert ist, dass in den östlichen Bundeslän­dern viele Eltern für das Wickeln mit Stoffwindeln eher aufgeschlossen sind.“ Ein Grund dafür könnte sein, dass die Stoffwindel hier noch viel präsenter ist, auch weil das Thema „Reinlichkeitsentwicklung“ in Familien und Kindertagesstätten offener angegangen wird. „Sanftes Sauberkeitstraining ist vielleicht aus DDR-Zeiten noch selbstverständlich und der Umgang damit leichter, als im Westen Deutschlands“, vermutet Alexandra Logemann, die heute in Braun­schweig lebt. Bis zur Wendezeit und auch Anfang der Neunziger Jahre gehörten die Baumwolltücher in jeden Haushalt. Dass ein Kind schnell „trocken“ wurde, war ganz nor­mal. Heute sind die „Wendekinder“ der Region schon selbst Eltern und stehen den Stoffwindeln aufgeschlos­sen gegenüber.

 

Die beiden Gründerinnen haben das Thema Müllvermeidung für den Start ins Leben neu gedacht. „Wir woll­ten den Stoffwindelmarkt revolutionieren, mit dem Ziel, vor allem Wegwerfwindelnutzer zu begeistern und zum Umdenken zu bringen“, erzählt Alexandra Logemann. Antrieb war dabei vor allem der unglaubliche Windelmüll durch Wegwerfwindeln. Etwa 90 % der Windelnutzer greifen heute zu Wegwerfwindel. Dadurch entstehen jedes Jahr allein in Deutschland bis zu 3,2 Milliarden1 Liter Windelmüll, allein von Babywindeln. Das ist ein Stau von Müllwagen von Berlin bis Barcelona, Jahr für Jahr.

12,1 Mio Wickelkinder pro Jahr (Alter 0-3 Jahre, statista.com 2014), 1,89 Mio Wegwerfwindel-Kinder (entspricht 90% Wegwerfwindelnutzer), 5000 l Windelmüll in 3 Jahren pro Kinder, 1667 l Windelmüll pro Jahr pro Kinder

 

Mit Stoffwindeln können diese Müllberge verhindert werden, das ist Fakt. „Dabei hat jeder seine Ökobilanz selbst in der Hand, nämlich durch den Einsatz von umweltfreundlichen Waschmitteln, sparsamer Technik und der Wahl ressourcenschonender Energien und Materialien“, davon sind die Gründerinnen überzeugt.


 

Die Gründerinnen haben in unzähligen Gesprächen mit Eltern, Hebammen und Beratern erfahren, dass die größte Hürde zum Umsteigen das Aufbewahren und Waschen ist. Deshalb war es von Anfang an wichtig, ein Gesamtkonzept zu entwerfen, dass auch das Aufbewahren und einfache Waschen mit löst. Die Idee war ein selbst entleerender Waschsack, der zusammen mit dem Windeleimer zur Aufbewahrung der benutzten Win­deln dient.

Um die Stoffwindel als wirkliche Alternative zur Wegwerfwindel zu verbreiten, bauen die beiden Gründerin­nen ein deutschlandweites Netzwerk auf, um gemeinsam mit Hebammen und Fachberatern (Stillberater, Tra­geberater, Physiotherapeu­ten, Apothekern) diese nachhaltige Wickelalternative wieder in den Focus zu rü­cken. In Geburts­vorbereitungskursen oder Workshops zum Thema Säuglingsgesundheit wird das Wickelset präsentiert, so dass sich werdende Eltern selbst ein Bild von modernen Stoffwindeln machen können. „Mit einer echten Stoffwindel in der Hand erklärt es sich einfacher“, meint die Geschäftsführerin“. Im direkten Gespräch können Fragen gleich beantwortet und Zweifel überwunden werden. 

 

 

red

Quelle: Foxy Baby

 

Foto: Foxy Baby Gründerinnen

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