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Oberliga Nord: Tröbitzer Federball-Artisten heizten den Favoriten gehörig ein
Mit Können und unbedingtem Siegeswillen über Hauptstadt-Teams triumphiert
Das kleine Dorf Tröbitz mit knapp 1000 Einwohnern ist und bleibt eine Badminton-Hochburg. Diesen Nachweis lieferten die Niederlausitzer Federball-Artisten zum Saisonabschluss in der deutschen Hauptstadt. Am letzten Punktspiel-Wochenende in der Drei-Millionen-Metropole lieferten sie ihren favorisierten Gegnern der Oberliga-Nordstaffel dramatische und hart umkämpfte Spiele. Dabei heizte der BV Tröbitz zunächst der BG KWO/Brauereien mit 6:2 und anschließend der BG Neukölln mit 8:0 gehörig ein. Das bedeutet in der Endabrechnung Tabellenplatz 2 mit nur zwei Punkten Rückstand hinter dem Spitzenreiter und Aufsteiger SG Maschen/Hittfeld (bei Hamburg).
Von Rudolf Neuland
Da der Aufstieg der Hanseaten zu Beginn der Begegnungen noch keineswegs gesichert war (die Spiele wurden zeitgleich ausgetragen), gingen die Tröbitzer gegen KWO mit unbedingtem Siegeswillen und stärkster Besetzung aufs Parkett. Gleich die ersten Auseinandersetzungen waren alles andere als Spaziergänge. Beleg: Es gab vier Drei-Satz-Spiele mit äußerst knappen Resultaten, die auch zu Ungunsten des Tabellenzweiten hätten enden können. Ein Beispiel – das Match von Thomas Riese gegen das Nachwuchstalent Nieke. Nachdem der junge KWO-er im 1. Satz mit 1:15 unterlag, zog er im zweiten Durchgang alle Register der Unfairness. Er zettelte Streitereien an, provozierte mit nicht stubenreinen und abfälligen Gesten, manipulierte die weißen Bälle, um Thomas so aus den Rhythmus zu bringen. Nieke verbuchte auf diese Weise zwar ein 15:8, konnte den mit solchen Mätzchen vertrauten Strategen nicht weiter beeindrucken. Der Landestrainer antwortete besonnen mit einem 15:9 im dritten Satz.
Auch in den weiteren Matches zahlte sich die kontinuierliche Trainingsarbeit mit den Tröbitzer Youngstern aus. Neben Thomas Riese vor allem ein Verdienst von Jens Scheithauer und Stefan Sadlau, die den hoffnungsvollen Nachwuchs zur Reife führen. Die zwei Verlustpunkte dieser Partie mussten Petr Basa/Marcel Bachmann im 2. Doppel und Petr danach in seinem Einzelspiel hinnehmen. Was nach über 700 Kilometern strapaziöser Auto-Anreise ohne die notwendige Spielvorbereitung in der Berliner Halle verständlich ist.
Nach kurzer Nacht stand am nächsten Morgen die Begegnung mit dem weitaus schwereren Kontrahenten Neukölln als Gastgeber auf dem Programm. Um es vorweg zu nehmen – ein Topspiel! Gleich zu Beginn ein sensationelles 1. Herrendoppel. Eine Stunde und zwanzig Minuten duellierten sich Riese/Sadlau mit Sprenger/Glaschke. Ohne lange Pausen, wie man sie vom Tennis kennt, ergaben sich diese Satzergebnisse für die Tröbitzer: 8:15, 17:16, 17:16. Knapper geht´s kaum. Das Damendoppel gewannen dann Tina Langhammer und die erst 17-jährige Ersatzspielerin Jenny Bayger (eigener Nachwuchs) mit schlagstarken Ballwechseln gegen die langjährig eingespielten Berlinerinnen. Durch diese taktische Variante konnte sich Linda Scheithauer voll auf ihr Einzel konzentrieren. Die Gymnasiastin fegte die Neuköllnerin Marquard forsch, fit und souverän vom Feld. Ebenfalls auf hohem Niveau stand das Einzel von Thomas Riese gegen Christian Sprenger. Sie traten schon bei DDR-Schülermeisterschaften und auch später mehrfach gegeneinander an. Nach Rieses Drei-Satz-Erfolg lautete der Zwischenstand 5:0. Mannschaftssieg perfekt! Der Gegner bemühte sich nun um eine Resultatsverkürzung, was jedoch drei Mal misslang.
Das 8:0 fuhr abschließend Petr Basa in einem „Bombenspiel“ ein. Der Routinier zauberte gegen Robert Blaschke mit seinem schier unerschöpflichen Schlagrepertoire, mit Präzision und wiedergewonnener Kampfkraft. Im Gegensatz zum Vortag zeigten sich sowohl die Zuschauer als auch das Team in höchstem Maße fair. Sie applaudierten Basa anerkennend. Der 39-jährige tschechische Ex-Nationalspieler bleibt übrigens auch in der kommenden Saison für den BV Tröbitz aktiv. Allerdings wird er nach rund 25 Jahren Badminton keine Einzel mehr bestreiten, sondern sich im Doppel und Mixed engagieren. Für ihn und das gesamte A-Team folgt nun eine wohl verdiente Regenerationsphase, nachdem der 2. Tabellenrang standesgemäß in der „Glück auf!“-Sporthalle gefeiert wurde.
Hoch zufrieden fasste Mannschaftsleiter Roland Riese den Saisonverlauf so zusammen: „Nach einigen Problemen strebten wir anfangs erst einemal den Klassenerhalt an. Mit zunehmenden Erfolgen korrigierten Trainer und Betreuer gemeinsam mit den Aktiven die Ziele ständig nach oben. Von Platz drei bis eins war alles möglich. Mit unserem jetzt weiter gereiften Spielerpotenzial können wir im Herbst nach guter Vorbereitung sehr viel optimistischer in der Regionalliga mitmischen und Kurs auf die vorderen Ränge nehmen“.
Ergebnisse
BG KWO/Brauereien – BV Tröbitz 2:6
HD Riese/Sadlau - Klöpfel/Frank 15:0, 15:7, 2. HD Basa/Bachmann – Nelte/Nieke 12:15, 10:15, 1. HE Basa – Klöpfel 12:15, 2:15, 2. HE Riese – Nieke 15:1, 8:15, 15:9, 3. HE Sadlau – Nelte 15:11, 11:15, 15:9, DD Langhammer/Scheithauer – Grusdat/Mika 15:4, 2:15, 15:4, Mixed Langhammer/Bachmann – Mika/Frank 15:10, 15:13, DE Scheithauer – Schmidt 11:3, 3:11, 11:7.
BG Neukölln – BV Tröbitz 0:8
HD Riese/Sadlau – Sprenger/Glaschke 8:15, 17:16, 17:16, 2. HD Basa/Bachmann – Rascher/Albrecht 13:15, 15:9, 15:13, 1. HE Basa – Glaschke 15:13, 15:10, 2. HE Riese – Sprenger 15:11, 6:15, 15:11, 3. HE Sadlau – Albrecht 15:4, 15:13, DD Langhammer/Bayger – Marquard/Knauf 15:9, 15:13, Mixed Langhammer/Bachmann – v.d. Hövel/Unger 17:15, 15:10, DE Scheithauer – Marquard 11:3, 11:3.
Abschluss-Tabelle
1. SG Maschen/ Hittfeld 24:4 129:53
2. BV Tröbitz 22:6 109:72
3. SG Neustadt/Seelze 17:11 105:100
4. BG Lehrer/Brandenburg 16:12 92:99
5. BG Neukölln 14:14 97:96
6. BG KWO/Brauereien 10:18 60:120
7. VfB Merseburg 9:19 77:129
8. TV Metjendorf 0:28 44:135
Bild zur Meldung: Gute Mischung aus Erfahrung und jugendlichem Elan - das Tröbitzer A-Team. Von links: Thomas Riese, Petr Basa, Stefan Sadlau, Tina Langhammer, Marcel Bachmann, Linda Scheithauer und Mannschftsleiter Roland Riese. Foto: Rudolf Neuland




